Die Wahrheit

Was ist die Wahrheit?

Gibt es sie überhaupt? Kann die Wahrheit objektiv sein oder ist sie immer subjektiv?

 


Welche Farbe hat ein Kreis?  


Wenn wir einen Kreis mit einem blauen Stift auf ein Stück Papier malen, sagen wir das ist ein blauer Kreis. Die Farbe kommt aber vom Stift und nicht vom Kreis. Sie ist etwas, was man hinzugefügt hat. Das man den Kreis überhaupt sehen kann, liegt an einer Imperfektion. Der Stift ist nämlich nicht unendlich spitz. Wäre er so dünn, könnte man den Kreis nicht sehen. Sowohl die Dicke des Striches, als auch die Farbe haben aber nichts mit dem Kreis selbst zu tun. Der Kreis ist das, was noch da ist, wenn man sich Farbe und Strichdicke wegdenkt.
                                                                                                                                                            eine Metapher nach Hans-Peter Dürr

 

Die Leerheit

Hans-Peter Dürr beschreibt hier die sogenannte Leerheit. Diese Leerheit ist keine Leere im Sinne von keinem Inhalt. Leerheit meint, dass alle Dinge keine eigenständige individuelle Identität haben. Es gibt somit keine Phänomene die beständig und unabhängig existieren. In der buddhistischen Philosophie kommt der Leerheit eine große Bedeutung zu. Sie ist der Beginn des Verständnisses einer objektiven Realität. 

Ein anderes Beispiel zeigt uns das Gerät, auf welchem wir diesen Beitrag gerade lesen. Wir halten dieses Gerät entweder für neu oder alt und für einen eigenständigen Gegenstand, der uns dient und bis zu seiner Funktionslosigkeit dienen wird. Tatsache ist jedoch, dass dieses Gerät aus Materialen besteht, die bereits immer auf der Erde existierten. Sie sind weder alt noch neu denn sie waren schon immer da. Die Atome, aus welchen die einzelnen Materialien des Gerätes bestehen, waren vorher in einer anderen Zusammensetzung entweder ein anderes Material oder vielleicht sogar ein Lebewesen. Nach dem Verrotten dieses Gerätes werden diese Atome auch wieder zu einem Bestandteil von etwas Anderem werden. Dieses Gerät ist also nur ein vorübergehendes Phänomen von etwas, seit jeher existierendem und zeigt uns, das nichts aus sich selbst heraus existiert. Alles ist untrennbar von allem Anderen. Das diese einzelnen Materialen von Menschen bearbeitet wurden und in die richtige Zusammensetzung fanden zeigt uns darüber hinaus, das dieses Gerät, auch geistiges Potential enthält. Geist und Materie wurde vereint um diesen Materialien ihre temporäre Erscheinung und Zweckmäßigkeit zu geben. Dieses Gerät ist also keineswegs bloß wofür sie es halten. Dieses Gerät ist ein Teil des Ganzen. 

 

Gut und Schlecht

Eine Waffe ist weder gut noch schlecht. Sie besteht aus den selben Atomen wie eine Rose und bekommt bloß die Bedeutung welche man ihr zuschreibt. Ein Messer kann verwendet werden um einen Mord zu begehen oder um ein Stück Brot für ein hungerndes Kind zu schneiden. Um in diesem Denken noch einen Schritt weiter zu gehen nehmen wir einen Räuber als Beispiel. Durch den Hass auf den Räuber bekommen wir starke negative Emotionen. Unser Hass richtet sich gegen diese Person und wir projizieren negative Eigenschaften auf sie. Diese Eigenschaften halten wir für die objektiv geltende Wahrheit. Doch genauer betrachtet hassen wir eigentlich gar nicht den Menschen, sondern seine Tat. Wir kennen den Menschen doch gar nicht und sind weit davon entfernt seine Motive und Umstände zu verstehen. In manchen Fällen würden wir eher Mitleid als Hass empfinden, würden wir die Umstände in Erfahrung bringen. Erfahrungen sind also rein subjektive Empfindungen. Für den Beraubten schlecht, für den Räuber und womöglich seine Familie gut. 

 

Negative Emotionen sind unvernünftig

Alle Dinge sind weder gut noch schlecht, sie sind wie sie sind, in ihrer Wahrheit objektiv

Wir geben Dingen Eigenschaften, welche sie in Wirklichkeit gar nicht besitzen. Alles was wir als attraktiv auffassen und was uns nützt das begehren wir. Alles was wir als unattraktiv auffassen und was uns schadet lehnen wir ab. Doch den eigentlichen Schaden richten nicht die äußeren Dinge an sich an, sondern nur wir selbst. Dadurch das wir negative Emotionen bilden wenn uns etwas, durch unsere Interpretation, schlechtes passiert füllen wir uns selbst und unsere Umwelt mit negativen Gefühlen und Energien. Ein Teil der buddhistischen Meditation besteht zum Beispiel aus dem neutralen Betrachten eines Geschehnisses und dem auf den Grund gehen dessen. Das Ziel der Meditation ist die objektive Ansicht aller Dinge. Wenn wir diesen Weg gehen, können wir negative Emotionen überwinden. Des Weiteren ist die Grundlage einer liebevollen Atmosphäre immer in uns selbst zu finden. Wir müssen sie erschaffen, wie andere darauf reagieren ist zweitrangig. Unser geistiger Tempel, unsere Festung kann nur von innen heraus vergiftet werden. Denn alle Dinge an sich sind weder gut noch schlecht, sie sind wie sie sind, in ihrer Wahrheit objektiv. Erst die menschliche Betrachtung und unsere überlebensnotwendige Vereinfachung der Dinge machen sie so wie wir sie wahrnehmen. Der deutsche Physiker Hans-Peter Dürr beschreibt dies so:

"Materie ist etwas, das für uns vorstellbar ist. Wir sagen, das sind die Menschen, die Vögel, Autos usw. Wir gehen damit um, als ob es existierte. Aber den Menschen und all die anderen Dinge gibt es so nicht. Es ist eine Vereinfachung. Ich führe etwas zurück, was ich nicht begreifen kann. Ich stelle mir einen Menschen vor, aber ich habe ein ganz begrenztes Bild. Der Mensch hat viele andere Facetten, die ich gar nicht wahrnehme. Trotzdem kann ich damit umgehen. Die Vereinfachung macht es uns möglich, überhaupt zu überleben und Entscheidungen zu fällen."

 

Alle Dinge sind rein objektiv

...und werden zu dem was wir daraus machen

Ein Geldschein hat nur den Wert den wir ihm geben. In Wahrheit ist er vollkommen wertlos. Wir können nichts damit anfangen. Nur die totalitäre Überzeugung verleiht dem Geldschein seinen Wert. 

Interessant wird es, wenn wir beobachten wozu unser Geist in dieser Hinsicht im Stande ist. Nehmen wir einen ganz schlechten Tag als Beispiel. Wir fühlen uns miserabel und sind vollkommen antriebslos. Plötzlich bekommen wir die Nachricht das wir 300 Millionen €uro in der Lotterie gewonnen haben. Was passiert mit uns? Wir halten das Geld weder in den Händen noch können wir hundertprozentig sicher sein das wir es jemals bekommen werden aber dennoch hat sich von einem Moment auf den Anderen etwas verändert. Unsere inneren Gefühle und Emotionen. Das negativ Beispiel hierzu kennen wir nur all zu gut. Öffnen wir einen Brief und erhalten eine unerwartet "schlechte" Nachricht, kann das unseren ganzen Tag ruinieren. Aber weder der Brief noch die darin enthaltenen Worte zerrütten unseren Tag, sondern rein unsere Interpretation der Dinge. 

Um also dauerhaftes Glück zu erfahren und frei von Leid zu sein, müssen wir bloß unseren Geist schulen um näher an die objektive Wahrheit zu gelangen. Denn wir müssen akzeptieren das wir nie auf die reine objektive Wahrheit treffen werden, sondern immer nur auf die durch das menschliche Bewusstsein gefilterte. 

 

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Mathias Erich

 

Nachsatz:
Dank der Quantenphysik wissen wir Heute das es keinen objektiven Gegenstand gibt, der nicht vom Subjekt beeinflusst ist. Subjekt und Objekt stehen in einer abhängigen Beziehung. Wissenschaft ist somit auch „subjektiv".

Es ist also wieder alles möglich !